Pensionskassenstudie 2024
Die Auswertung der Risikofähigkeit von Pensionskassen in Bezug zu den eingegangenen Anlagerisiken liefert neue Erkenntnisse
In der vorliegenden, von der Â鶹´«Ã½ÔÚÏß (AMAS) in Auftrag gegebenen Studie hat die Beratungsgesellschaft WTW die Risikofähigkeit von Pensionskassen hinsichtlich der eingegangenen Anlagerisiken und des Renditepotentials analysiert sowie quantifiziert.
Dies sind die Ergebnisse der Studie im Ãœberblick:
- Das proprietäre Modell der WTW ermöglicht es erstmals überhaupt mathematisch robuste quantitative Auswertungen der individuellen Risikofähigkeit zu erstellen. Die meisten Pensionskassen haben ihre Anlagerisiken im Griff. Dennoch können über drei Viertel der Pensionskassen Ihre Anlagerisiken erhöhen, ohne Gefahr zu laufen, in eine nicht tragbare Unterdeckung zu fallen.
- Die meisten Pensionskassen können durch Optimierung der Anlagestrategie die erwartete Rendite erhöhen, ohne dafür höhere Risiken in Kauf zu nehmen. Die Studie hat dafür drei Hauptursachen ausgemacht.
- Es ist nicht nur die Aufgabe des Stiftungsrats, Anlagerisiken möglichst adäquat zu begrenzen, sondern auch risikogerechte Erträge zu generieren. Nicht nur fehlende Sicherheiten, sondern auch allzu passives oder konservatives Verhalten kann mangelnde Sorgfalt begründen und die Ziele der beruflichen Vorsorge gefährden.
Zusätzliches Renditepotential vorhanden
Die Auswertungen führen zur Erkenntnis, dass Pensionskassen in der Schweiz häufig über ein erhebliches Potential für Mehrrendite bei gleichem Anlagerisiko – oder gar über zusätzliches Potential bei Ausnützung des vorhandenen Risikobudgets – verfügen. Dies, da sie aktuell Anlagestrategien mit einem Renditepotential verfolgen, das zwischen 0.3% und 0.5% unterhalb der Effizienzgrenze liegt. Gleichzeitig wird auch die volle Risikofähigkeit oft nicht ausgenützt.
Effizientere Anlagestrategien
Insbesondere firmeneigene Pensionskassen zeigen diesbezüglich die grössten Handlungsmöglichkeiten, wobei der Streubereich gross ist. Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen (SGE) sowie öffentlich-rechtliche Pensionskassen sind im Durchschnitt deutlich näher an der Effizienzgrenze. Grund dafür kann das oft grössere Anlagevolumen sein, was in vielen Fällen ein professionalisierteres Anlagemanagement erfordert. Allein durch die Ausnutzung des höheren Renditepotentials bei gleichbleibendem Risiko könnten die 25% der Pensionskassen mit dem grössten Effizienzspielraum ihre erwartete Rendite durchschnittlich um 0.84% pro Jahr steigern. Auf einem
Zeithorizont von zehn Jahren würde eine solche Optimierung die versicherten Leistungen dieser Pensionskassen um ca. 11.7% pro versicherte Person erhöhen.
Die Analyse zeigte zudem, dass die Pensionskassen mit den höchsten Anteilen an Obligationen und mit den tiefsten Anteilen an alternativen Anlagen die optimierungsfähigsten Anlagestrategien verfolgen. Auch der Home Bias führt häufig zu inneffizienten Strategien, also die Neigung, Anlagen aus dem Heimmarkt Schweiz den Vorzug zu geben.
Aus der Analyse lässt sich schlussfolgern, dass die folgenden Massnahmen den Anlagestrategien dieser Pensionskassen Schub verleihen können:
- Reduktion von Anleihen
- Abbau des Home Bias (Heimmarktneigung)
- Aufbau alternativer Anlagen wie Hedgefonds, Infrastruktur und Private Equity.

Bessere Ausnutzung der Risikofähigkeit
Ungenutzte Risikofähigkeit lässt darüber hinaus weiteres Renditepotential entstehen. Die 25% der Pensionskassen mit der tiefsten Ausnutzung des «einfachen» Risikobudgets bis zur Volatilitätsgrenze «geringe Unterdeckung» (Risikobudget 1) könnten ihre erwartete Rendite durchschnittlich um 0.95% pro Jahr steigern. Bei einem Zeithorizont von zehn Jahren würde eine solche Optimierung die versicherten Leistungen um ca. 13.6% pro versicherte Person erhöhen.

Die eingegangenen Anlagerisiken sind überwiegend tragbar
Die Auswertung der Ausnutzung der Risikofähigkeit zeigt, dass alle Pensionskassen mehr oder weniger Unterdeckungsrisiken eingehen. Sowohl firmeneigene wie auch öffentlich-rechtliche Pensionskassen und SGE gehen jedoch fast nur Risiken ein, die mit dem angesetzten Sanierungsbudget auch getragen werden können. Dabei bleiben sie mit dem Anlagerisiko ihrer Portfolios im Durchschnitt unterhalb ihren jeweiligen Volatilitätsgrenzen.
Stiftungsrat in der Verantwortung
Das oberste Organ, in der Regel der Stiftungsrat, muss sich mit den eingegangenen Anlagerisiken in Verbindung mit der Risikofähigkeit der Pensionskasse konkret befassen sowie die Entwicklung periodisch überprüfen und entsprechend dokumentieren.
Sowohl das Gesetz als auch das Bundesgericht rechnen damit, dass der Vermögensertrag der Pensionskassen als Dritter Beitragszahler wesentlich zum Erreichen des Verfassungsziels der beruflichen Vorsorge beiträgt. Der rechtliche Auftrag lautet demgemäss, mit einer dem Risiko angemessenen Anlagestrategie und unter Beachtung der erforderlichen Sorgfalt, Erträge zu erwirtschaften. Es ist demnach nicht nur die Aufgabe des Stiftungsrats, Anlagerisiken möglichst adäquat zu begrenzen, sondern auch risikogerechte Erträge zu generieren.